Oder: Ein deutsch-französischer Ausritt auf dem deutschen Amtsschimmel
Frankfurt, 8. September 2008 – Ja, es muss was getan werden für die Umwelt. Da ist man sich dies- und jenseits der Grenze einig. Und während die einen mit atom-großen Problem zu kämpfen haben, kümmern sich die anderen um die etwas größeren Teilchen in der Luft. Der Deutsche ist halt mehr fürs Grobe. Und so trat bereits am 1. März 2007 die sogenannte Feinstaubverordnung in Kraft. Peu à peu richten seitdem einzelne Städte, Kreise oder Kommunen Umweltzonen ein.
Frankfurt hat ab dem 1. Oktober eine solche. Das bedeutet, dass für die Ein- und Durchfahrt eben dieser eine sogenannte Feinstaubplakette (FSP) fürs entsprechende motorisierte Gefährt nötig ist. Prinzipiell finde ich die Grundidee nicht schlecht. Aber wie bei so vielen Dingen in der deutschen Gesetzes- und Regelungslandschaft ist mal wieder nicht zuende gedacht worden. Insbesondere für ausländische Kraftfahrzeuge wird ein Besuch in Deutschland durch diese Verordnung einmal mehr zu einer Fahrt durch Absurdistan.
Denn auch wenn jede Zone ihre eigenen Regelungen hat, so sind sich alle darüber einig, dass auch ausländische Autos auf jeden Fall eine solche Plakette haben müssen. Ein großes Kuriosum an der Sache ist, dass die Plakette auf jeden Fall vor Einreise in die Zone erworben werden muss. Ansonsten kostet das 40 Euro. Das sollte man mal einem deutschen Amtsschimmel sagen, wenn er an der deutsch-schweizerischen oder -österreichischen Grenze ohne Vignette oder Pickerl vorfährt – „Tut uns leid das kostet jetzt X Franken/Euro. Sie hätten sich vorher um die Einreiseformalitäten kümmern müssen.“
Woher also weiß der Ausländer, dass er eine solche Plakette benötigt? Wird er an der Grenze informiert? Werden jetzt trotz EU/Schengen alle Autos angehalten und jeder bekommt es in seiner Landessprache mitgeteilt? Gab es eine europa- oder gar weltweite Informationskampagne, die an keinem vorbeigehen konnte? Muss er sich darüber informieren? Wie kann er sich darüber informieren? Sind ausländische Autovermietungen informiert? Sind die ausländischen Mietwagen mit den Plaketten ausgestattet? Oder nur ein Teil der Flotte? Und wenn der Ausländer es weiß, wie kommt er an eine solche Plakette? Gibt es Anlaufstellen im eigenen Land dafür, die sich mit den Regelungen auskennen, die wissen, welche Daten aus dem ausländischen Fahrzeugschein nötig sind, um eine Plakette zu erwerben?
Wenn der Ausländer viel Glück hat, kennt er einen Inländer, der sich auskennt – naja, zumindest weiß, worum es geht und wo er nachfragen kann. Doch auch das nützt nur bedingt etwas:
Dass für monsieurs Auto eine Plakette fällig ist, um damit nach und in Frankfurt zu fahren, war mir ja klar. Aber lieber noch mal abgesichert: Telefonat mit dem Umweltamt. Ja, auch ausländische Kfz benötigen eine Plakette. Gehen Sie einfach mit dem Fahrzeugschein bzw. einer Kopie zu einer Werkstatt, die auch Abgasuntersuchungen durchführt. So weit, so einfach. Eine kleine Klitsche in Laufnähe war schnell gefunden, der französische Fahrzeugschein wurde kopiert und man wurde auf zwei Tage später verwiesen, dann sei der TÜV-Heinzel da, der über rot, gelb oder grün entscheidet.