Sie ist wieder da und hat auch gleich ein schönes Thema aufs Tapet gebracht.
Ich will vorwegschicken, dass ich dankbar bin für die Errungenschaften diverser Frauenbewegungen. Und ich weiß auch, dass es manchmal extrem sein muss, damit man Veränderungen auf den Weg bringt.
Aber dennoch kann ich mich mit dem, was viele heute unter Emanzipation verstehen, nicht ganz anfreunden. Für mich ist der Grundgedanke „Gleichberechtigung“. Was rein theorethisch heißt: Jeder kann alles. Aber jeder kann nicht alles gleich gut (zumindest sehr selten) und das darf bei all der Emanzipation nicht vergessen werden, denn in erster Instanz sind wir Menschen mit ganz individuellen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen und ganz individuellen Vorstellungen vom Leben (wie und ob man all das verwirklich, ist eine andere Frage).
Ich überlasse es jedem (Frau, Mann, Paar) selbst, sich sein Lebensmodell auszusuchen. Wer arbeiten will, soll arbeiten. Auch Arbeit und Familie lassen sich unter einen Hut bringen. Und wer sich zusammen mit seinem Partner für das „klassische“ Familienmodell entscheidet und damit glücklich ist, der hat dafür meinen Segen. Ich kann und will keinem sagen, wie er sein Leben zu führen hat.
Wie auch immer man sich entscheidet, ist es wichtig, dass man damit glücklich ist, dass es für einen selbst das richtige ist.
Ich bin mit der Grundidee aufgewachsen, dass Frauen alles können – Männer auch. Ich durfte Mathe-LK wählen und in Sprachen schlecht sein. Unsere Eltern haben auch keine klassischen Rollenmuster gelebt. Jeder war gleichberechtig, vieles wurde liberal gehandhabt.
Und doch reicht(e) diese Freiheit der Entscheidungen nicht immer weit genug. Denn Entscheidungen, die gegen Grundgedanken der modernen Emanzipation und des Feminismus gingen, wurden diskutiert und bisweilen nicht akzeptiert. Ich als Frau müsse mich nicht klassischen Rollenmustern unterwerfen.
NEIN, muss ich nicht. Aber darf ich, wenn ich will.
Und wenn ich dann (von einer Kollegin) gesagt bekomme, sie hätte nicht gedacht, dass ich Kinder haben wolle, weil ich ja so emanzipiert sei, dann könnte ich die Wände hochgehen, weil da jemand ganz klar das Prinzip verkannt hat.
Ach ja: Ursprünglich bedeutet Emanzipation, „einen Sklaven oder erwachsenen Sohn in die Eigenständigkeit zu entlassen“ (wik.iped.ia). Der Begriff, so heißt es da weiter, hat sich im Laufe der Zeit geändert. Logisch, zumindest die Sache mit den Sklaven in der westlichen Welt. Bei der Sache mit dem erwachsenen Sohn und der Eigenständigkeit ist das meiner Meinung nach etwas anders. Denn letztlich sollte das für „uns Frauen“ erreicht werden, dass wir eigenständige Männer an die Seite gestellt bekommen. Das heißt für mich, dass die Mütter gefragt sind, ihre Söhne zur Eigenständigkeit zu erziehen, ihnen alles mit auf den Weg zu geben, dass sie auch ohne eine helfende Frau(enhand) durchs Leben kommen. Denn nur so kann man (als Paar, Familie) wirklich frei entscheiden, wie man sein gemeinsames Leben gestalten möchte.


